Lesensgefahr zwischen Adria und Allgäu

„Achtung Lesensgefahr!“, unter diesem Motto steht die Autorenlesung von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Stattdessen hätten die beiden aber auch „Achtung Lachgefahr“ wählen können, was zwar kein so schönes Wortspiel ist, aber dennoch zutreffend.

Denn schon nach wenigen Minuten lacht der ganze Saal, als die beiden Autoren auf die Bühne kommen und sich zunächst nicht auf das Buch einigen können, das sie denn lesen wollen. Volker Klüpfel marschiert mit Sonnenschirm und Liegestühlen auf die Bühne, um das passende Ambiente für ihr Buch „In der ersten Reihe sieht man das Meer“ zu schaffen, das Anfang 2016 erschienen ist und in den 80er Jahren spielt. Michael Kobr stattdessen macht es sich auf der Bierbank bequem und hat sich auf den neuen Kluftinger-Roman „Himmelhorn“ vorbereitet. Auch an seinen Kollegen hat er gedacht, ein Buch samt Einmerkern legt er ihm nämlich auch raus. Um nun zu einer Einigung zu kommen, greifen die beiden Autoren auf das altbewährte Spiel „Schnick-Schnack-Schnuck“ zurück. Dieses Spiel wird während der ganzen Lesung hindurch um einige interessante Komponenten erweitert, von Batman über Darth Vader bis hin zu Speedy Gonzales.

Und wie es der Zufall so will, wechseln sich die beiden Bücher regelmäßig ab. Der arme Kommissar Kluftinger ‚darf‘ mit Doktor Langhammer eine E-Bike-Tour durch die Berge machen und stößt dabei auch noch auf ein paar Leichen. Die beiden müssen einen Abstieg wagen um zu den toten Bergsteigern zu gelangen und stehen dann vor dem nächsten Problem: Sie kommen nicht wieder hoch. Zusammen mit Langhammers neuem Handy, einer aufgenommenen Videobotschaft von Kluftinger im Telegrammstil – und zwar wirklich Telegrammstil -, einem Stock und Siri, der Sprachsteuerung des Handys, gelingt es den beiden schließlich, Kluftingers Kollegen zu Hilfe zu rufen. Auch ansonsten wird es wieder interessant im neuen Roman, in dem Kluftinger unter anderem auch noch Frau Langhammer dabei helfen muss, ihren Ehemann eifersüchtig zu machen. Dass er sich in diese Situation selbst unglücklich hinein manövriert hat, versteht sich von selbst. Ach ja, und einen Mord hat er auch noch zu klären.

Auch als beide Autoren aus „In der ersten Reihe sieht man das Meer“ gelesen haben, blieben die Lacher nicht aus. Man fragt sich unwillkürlich, wie es der Protagonist überhaupt mit einer solchen Familie aushalten kann. Die Fahrt an die Adria jedenfalls wird sehr unterhaltsam für den Leser, wenn auch nicht so unterhaltsam wie für die Zuhörer der Lesung, die wohl immer an der Stelle mit dem österreichischen Grenzbeamten schmunzeln werden. Was dem Leser nämlich nicht zuteil wird, ist die Diskussion der beiden Autoren über den Dialekt, den der Beamte haben soll, Kobr liest ihn nämlich mit Wiener Akzent, was Klüpfel gar nicht verstehen kann. Aber schließlich können die beiden die Diskussion beenden und Familie Klein darf den Grenzposten passieren. An der Adria angekommen ist der Spaß natürlich auch noch nicht vorbei, die Kleins begegnen unter anderem dem Cocobello-Mann, der es durch gewiefte Taktik schafft, dem Vater das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Und ganz besonders in Erinnerung bleibt die Stelle, in der die Kleins zum Telefonapparat marschieren um dort mit dem Opa zu sprechen, der daheim geblieben ist. Lesern der Kluftinger-Romane dürfte der Mann bekannt sein, der mit seiner Frau Erika ebenfalls in der Gegend Urlaub macht und schließlich lautstark ein Telefonat mit seiner Mutter beenden muss, was die Umstehenden Beifall klatschen lässt. Natürlich ist es der Klufti, noch in jüngeren Jahren, charakterlich aber immer noch der gleiche.

Alleine dank der verschiedenen Dialekte und Stimmwechsel, mit denen die beiden Autoren ihre Charaktere beim Lesen zum Leben erwecken, ist die Lesung ein Erlebnis für sich, aber auch die Art, wie Klüpfel und Kobr miteinander umgehen, sich gegenseitig aufziehen und aufeinander herumhacken ist das Zuschauen wert. So erfährt man beispielsweise, dass Michael Kobr sportlich lebt und daher jeden Tag zu Fuß zur Arbeit geht. Dass dieser Weg nur die paar Meter Luftlinie von seinem Schlafzimmer bis zum Arbeitszimmer umfassen, lässt das schon in einem anderen Licht dastehen, meint Volker Klüpfel. Auch Urlaubsbilder aus jüngeren Jahren werden gezeigt, was ein wenig Spott über Klüpfels damaliges Aussehen nach sich zieht.

Aber trotz, oder vielleicht sogar wegen dieser neckischen Späße wird deutlich, was für ein eingespieltes Team die beiden sind. Sie liegen auf der selben Wellenlänge, besonders was den Humor angeht und machen es dadurch zu einem richtigen Vergnügen, ihre Werke zu lesen.

Katharina Salbaum, Q11 W-Seminar Deutsch „Regionalkrimis“

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